Kultur.Ökonomie x Kreativität

Jahrestagung Kultur-und Kreativwirtschaft 2008

Fast 300 Leute haben sich am 17. November in Berlin zur fünften Jahrestagung der Kultur- und Kreativwirtschaft versammelt. Ich selbst war das erste Mal dabei und hatte die vorherigen Tagungen nur anhand der Dokumentationen verfolgen können. Schaut man sich die Rednerliste der letzten Jahre an und vergleicht diese mit den Rednern der diesjährigen Veranstaltung wird glaube ich klar, dass das Thema “Kreative Ökonomie” nun an oberster Stelle in der politischen Agenda steht. Wenngleich es wohl noch immer ein Insiderthema ist, denn ich wage mal zu behaupten, dass die 300 Anwesenden auch diejenigen sind, die sich mit dem Thema ausführlich beschäftigen und es überhaupt kennen.

Das ist eigentlich nicht verwunderlich. Das Thema “Kulturwirtschaft” ist an Komplexität kaum zu überbieten. Wenn Staatsminister Neumann einen Wandel der Kulturförderung aufzeigt, die bimodale Definition von Kulturgütern der UNESCO erwähnt, die deutsche mit der amerikanischen Kulturförderung vergleicht und dann schließlich darauf hinweist, dass auch die Computerspieleindustrie ein förderungswürdiger Bereich der Kreativwirtschaft ist, dann hat er wohl auch gezeigt, dass er bestens in den aktuellen kulturpolitischen Diskussionen bewandert ist, aber wie man so etwas leicht verständlich auf den Punkt bringt, habe ich auch noch nicht wirklich verstanden. Die Kulturpolitik bleibt somit ein Insider-Thema.

Ich kenne das ja aus eigener Erfahrung. Man fängt an sich mit dem Thema Kultur zu beschäftigen, liest ganz viel dazu, macht sich mit dem Thema vertraut und versucht zu verstehen, was das wichtige an Kultur ist. Das merkwürdige dabei ist allerdings, dass man ganz unmerklich seine eigene Weltanschauung dabei verändert und nach der Auseinandersetzung irgendwie eine ganz andere Sprache spricht. Computerspiele und Kulturpolitik - ja klar gehört das zusammen, warum versteht das keiner? Schon doof. Wohin bewegt sich nun die Debatte zur Kulturwirtschaft?

Zur zeit ist wohl noch Orientierung angesagt. Zahlen, d.h. Statistiken, sind dazu wohl das beste Mittel um sich Orientierung zu verschaffen. Ich finde allerdings, dass die Debatte einen Schritt weitergehen muss. Es muss sich ein Verständnis dafür entwickeln, was Kulturwirtschaft eigentlich bedeutet. In der Diskussionsrunde fragte ein Teilnehmer, warum man man immer die wirtschaftliche Seite von der kulturellen Bedeutung der Kulturwirtschaft abtrennen muss. Antwort des Redners: “Es gibt eben die Kreativen und dann gibt es die Leute aus der Wirtschaft, die gut rechnen können. Ich konnte eben immer gut rechnen und war nie sehr kreativ.” Diese Antwort hat mich wenig überzeugt.

Man könnte ja darauf etwas zynisch antworten: Die aktuelle Finanzkrise hat ja gerade gezeigt, dass gerade die Banken auf ideale Weise ein Beispiel dafür gegeben haben, wie Wirtschaft “kreative Rechnungen” entdeckt und zum eigenen Nutzen einsetzt. Lassen wir den Zynismus aber mal beiseite. Denn in der weiteren Diskussion wurde noch der Begriff der “Hybridisierung” ins Spiel gebracht, der die Leitidee der kreativen Ökonomie genau auf den Punkt bringt. Es geht also um die Kreuzung gesellschaftlicher Systeme, um die Produktion von Bastarden. Das klingt irgendwie etwas schmutzig, passt andererseits aber gut zu modernen Museen, die ja massenweise Müll (in der direkten Wortbedeutung) ausstellen und gerade daraus ja einen Wert generieren.

Ganz in diesem Sinne hat mich der Vortrag von Dieter Gorny, Leiter der Europäischen Kulturhauptstadt RUHR2010, auch am meisten begeistert. Kunst, Ökonomie und Technologie vermischen sich zu einem gemeinsamen System der Kreativen Ökonomie. Die moderne Kommunikationstechnologie ist hier ebenso wichtig wie ein Verständnis für die Mechanismen, die die Kulturwirtschaft bewegen. Für mich heißt Kulturwirtschaft eben “Mit Kultur wirtschaften” und nicht “Kultur berechnen”. Ich bin gespannt, was uns im nächsten Jahr erwartet.

Der Tagungsband wird durch das Büro für Kulturpolitik veröffentlicht und kann über die Seite: http://www.kreativwirtschaft-deutschland.de bezogen werden.


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