Kultur.Ökonomie x Kreativität

Ein Tag in Brüssel: EU-Konferenz zum digitalen Shift in der Kreativwirtschaft

Am 23. April gingen Minister, Branchenführungskräfte und politische Entscheidungsträger aus dem Kultur- und Kreativsektor auf der “European Cultural and Creative Industries Summit” in Brüssel die Debatte um den digitalen Wandel. Veranstaltungsort war das Gebäude des Ausschusses der Regionen in Brüssel. Der Kongress, veranstaltet von der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 und Civic Agenda, ist Teil des „Jahres der Kreativität und Innovation“ und brachte mehr als 300 Hauptstakeholder in diesem Bereich zusammen. Diese debattierten darüber, welche Politik, Strategien und Kooperationen von EU und staatlicher Seite notwending sind, damit die sogenannte Content-Industrie effektiv vom Digital Shift profitieren kann. Der Ausdruck ”Digital Shift” sollen für die technologischen Veränderungen und Auswirkungen stehen, die die Neuen Medien auf die Kultur- und Kreativindustrie gehabt haben.

Für mich war dies das erste Mal Brüssel und das erste Mal EU-Konferenz in meinem Leben und schon ein kleines Abenteuer. Von Mainz aus, wo ich wohne ist die Fahrt nach Brüssel mit dem Auto ohne größere Probleme machbar (3 1/2 Stunden). Erst ging es Richtung Aachen, dann über die niederländische Grenze und schließlich landet man in Flandern. Was ich noch nie gesehen hatte, ist das man eine ganze Autobahn mit Straßenlichtern bestückt. Kennt La Belgique nicht die Wirtschaftskrise? Die Autobahn führt direkt nach Brüssel, das dann schon viel französischer daherkommt als der niederländische Teil von Belgien. Der Verkehr in der Stadt wäre eigentlich auszuhalten. MIt Navi fährt man ja immer etwas orientierungslos, ist aber nicht schlimm, denn hier hat keiner die Orientierung. Gravierender ist dagegen, dass Belgien bisher nicht das gute deutsche Parkleitsystem übernommen hat. Wer nicht wie ich auch eine Stunde nach einem Parkplatz suchen möchte, sollte sich an die Rue de la Loi halten da gibt es ein großes Parkhaus. Vielleicht hat das Jaques-Delors-Gebäude auch ein eigenes Parkhaus war aber nirgends zu erkennen. Das kann leicht nervtötend werden.

Schließlich hab ich es doch noch geschafft Auto heil zu parken, meinen Tagungsort zu finden und zu angemessener Zeit auf der Konferenz zu landen. Es ist schon unheimlich spannend, wenn man so viele Nationalitäten auf einem Fleck erlebt. “Where do you come from?”, “What are you doing?” So ein bisschen Kongresse-Small-Talk kann sehr nett sein. Zum Networking gibt es wirklich nichts besseres. Wo kann man sonst Menschen aus ganz Europa auf einem Fleck live erleben. Inhaltlich war die Ausrichtung eher “abstrakt”. Ja man nimmt also mittlerweile war, dass das Internet nicht einfach nur eine Spinnerei von Jugendlichen ist, sondern aus unserem Alltag unserer Kultur nicht mehr verschwindet. Ja man weiß, dass man da was tun muss. Wer in der EU konkrete Debatten und Vorschläge erwartet, ist da fehl am Platz. So eine Konferenz ist doch vielmehr eine politische Veranstaltung. Es geht darum, immer wieder das gleiche zu wiederholen und sich Gehör zu verschaffen. Jetzt bin ich ja noch ein Frischling in dieser Szene, aber so langsam kennt man seine Pappenheimer da schon.

Wenn man es mal aus dieser Perspektive betrachtet, scheint gerade Dieter Gorny hier im Moment vorzügliche Arbeit zu leisten. Sein eingeschlagener Weg mit der Kreativwirtschaft scheint aufzugehen und ich könnte mir vorstellen, dass man vielleicht demnächst im bundesdeutschen Wahlkampf noch aufmerksamer auf das Thema Kreativität wird. Jedem, der sich mit dieser Materie, sei es in Theorie oder Praxis, beschäftigt, kann dies nur zum Vorteil sein. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise kommt das Thema noch immer viel zu kurz. Es sind aber gerade diese Krisen die Kreativität herausfordern, denn nur mit neuen Ideen können neue Märkte entstehen, die wiederum neue Arbeitsplätze entstehen lassen. Ja und das scheint so langsam in den Köpfen durchzusickern. Find ich gut. Wohl bekomm’s!


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