Neue Geschäftsmodelle und der Digitial Shift
Am Nachmittag habe ich auf der Konferenz ECCI-Konferenz einen Workshop mit dem Thema “New Business Modells in Digital Markets” besucht. Versammelt als Redner war so etwas wie die “Führungsliege britischer Pop-Musik”. Geleitet wurde der Workshop von Anders Sjostedt, Direktor der schwedischen Creative Industries. Das Thema des Workshops war meiner Ansicht nach leider etwas verfehlt. Vielmehr drehte sich der Workshop um die Frage “Sind illegale Musik-Downloads im Internet gut oder schlecht?” Das war leider etwas schade.
Immerhin scheint sich doch auch der Gedanke langsam durchzusetzen, dass das Internet nicht notwendigerweise der Ruin der Musikindustrie sein muss. Wie die Redner vorgerechnet haben, ist es so, dass es ein Großteil der Downloads in Wirklichkeit noch nicht einmal (!) überhaupt angehört werden. Ist das dann wirklich ein Verlust für die Musikindustrie? Anders brachte ein anderes Rechenbeispiel: Für einen 4 GB iPod würde man so etwas um 15.000 € bezahlen, um den legal mit Musik-Downloads zu bestücken. Wer soll das bezahlen?
Ich finde, solche Gedankenspiele zeigen, dass man von dem Thema “Internet” und “Vermarktung von digitalem Content” noch viel zu wenig versteht. Muss man das Internet per se als Bedrohung ansehen? Ich wollte ja gerne ein Kommentar unterbringen, dass es doch eigentlich mal an der Zeit wäre, auch das Thema Forschung in dem Bereich Kulturökonomie mehr auszubauen. Ich wurde zwar von einer Französin belehrt, dass in Deutschland zwar zu dem Thema seit Adorno nichts mehr passiert seit (Zum Begriff der Kulturindustrie s. Adorno/Horkheimer: Dialektik der Aufklärung), in Frankreich gebe es aber Bernard Miège. Das ist aber nicht das, an was ich dachte. Vielmehr geht es doch darum, zu verstehen, was praktisch in digitalen Märkten vor sich geht und das ist keine sozialphilosophische Angelegenheit, sondern muss praktisch mit interdisziplinären Studien erforscht werden.
In der Wissenschaft selbst ist die Kulturökonomie immer noch eine exotische Disziplin und da wo sie praktiziert wird, hat man noch nicht wirklich verstanden, dass es sowas wie einen Digital Shift innerhalb der Kultur- und Kreativwirtschaft gegeben hat. Im Dezember 2008 bemerkte der Kulturökonom Tyler Cowen, der an der George Mason Universität lehrt, im internationalen Journal of Cultural Economics, dass er erstaunt eines Morgens feststellen musste, dass seine 18-jährige Stieftochter weitaus mehr über Kulturökonomie weiß als er selbst (s. Journal of Cultural Economics, Vol. 32 No. 4: Why everything has changed: the recent revolution in cultural economics). Es wird Zeit, dass sich daran etwas ändert. Ein Weg in diese Richtung ist das Buch The Economics of Symbolic Exchange des russischen Kulturökonomen Alexander Dolgin, der das Gebiet konsequent aus Sicht einer digitalen Welt beleuchtet. Nicht einfach, aber lesenswert!
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