Kultur.Ökonomie x Kreativität

Blog Relaunch: Über die digitale Abstinenz

Warum hat man eigentlich ein schlechtes Gewissen, wenn man längere Zeit nichts in seinen Blog schreibt? Ist schon komisch, hat ein Blog nur dann einen Wert, wenn man ihn permanent mit Ideen füttert. Aber Bloggen ist ja eh out, twittern ist ja jetzt in Mode. Das beantwortet ja schon die Frage, wer nicht ständig Daten produziert ist out, in der digitalen Welt, verliert seine Identität? So kann man vermuten! Erstaunlicherweise sind bei mir trotz mehrmonatiger Online-Abstinenz mehrere Anfragen zu meinem Blog bei mir auf postalische Art eingetrudelt. Das konnte ich kaum glauben. Vielleicht zählt ja auch im Internet Qualität doch mehr als Quantität, um mich mal hier selbst zu loben.

Na ja, und dann macht so ein Blog ja auch ohne Schreiben Arbeit. Mein Wordpress sagt mir schon seit Ewigkeiten: Bitte updaten! Und mein schönes schwarzes Brett, das mich so munter über die ganzen Details meines Blogs in digitaler Form informiert, lässt mich auch wieder jedes Mal in der Gewissheit, hier eigentlich gar nichts auf die Reihe zu bringen: Sie haben 5.000 Kommentare. 4993 davon sind Spam, 7 wurden veröffentlicht. Warum haben die Menschen eigentlich den Blog erfunden? Ist das sozialer Digi-Masochismus im 21. Jahrhundert. Da lob ich mir doch mein gutes altes Tagebuch aus dem letzten Jahrhundert, das war mein treuer Begleiter und Zuhörer, hat sich eifrig um meine Gedanken gekümmert und als ich es dann irgendwann vergessen hatte, ist es brav in der Ecke verschimmelt. Das hat mir nicht die ganze Zeit ins Ohr geflüstert: “Du bist faul!” - “Keiner mag dich!”

Vor zwei Wochen habe ich gelesen: Der heutige Arbeitgeber erwartet von seinen Mitarbeitern eine gewisse digitale Präsenz. Oh je! Dann lande ich wohl demnächst gleich bei HarzIV. Wer vermeldet eigentlich solche Nachrichten? Man könnte ja auch sagen, der Arbeitgeber will mithilfe der sozialen Netzwerke das soziale Verhalten sowie das Freizeitverhalten seiner Mitarbeiter dokumentiert und kontrolliert wissen. Das wäre gewissermaßen dann ein “kulturelles Controlling”, das man sich bei Marx abgeguckt hat. Soso Herr Schmitt, bei Facebook wurde gemeldet, dass Sie nun Single sind, na ob sich das nicht negativ auf Ihre Arbeit auswirkt. Also mir hat die Abstinenz nur gut getan. Erstaunlicherweise sind meine Augen jetzt auch nicht mehr jeden Tag rot unterlaufen.

Bis demnächst in meinem Blog!


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