Schick mir Youtube mal mit der Post: Die Filmpostkarte
Wo liegen die neuen Geschäftsideen der Zukunft vergraben? Die Kreativwirtschaft funktioniert oft nach dem Imitationsprinzip: Einer machts vor, die anderen machens nach. Wenn man sich mal anschaut, was nach Youtube so alles an Internetvideoplattformen entstanden ist, ist das kaum zu glauben. Das Prinzip dahinter ist eigentlich ganz ökonomisch: Wenn einer mal gezeigt, das ist ein neuer Markt, das ist Geld zu holen, dann springen die anderen auf den Zug auf und versuchen auch ihr Stück vom Kuchen abzubekommen. Bei innovativen Märkten funktioniert das auch eine gewisse Zeit sehr gut, aber die x-te Videoplattform kann irgendwann keinen mehr hinter dem Ofen hochlocken.
Die Kreative Ökonomie oder die Kultur- und Kreativwirtschaft fand ich zu anfangs eher ein doofes Konzept. Das werden x-beliebig irgendwelche Teilbranchen zu einer neuen Superbranche aggregiert und damit wird dann kräftig Polit-PR betrieben: Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist das Non-Plus-Ultra der Zukunft. Sowas kommt nicht umsonst oft sehr fragwürdig rüber. Es ist wohl denn auch anfangs für kaum einen einsichtig gewesen, warum man solche Industrien wie Software und Games mit den klassischen Bildungsindustrien wie Theater oder bildende Kunst zusammenfasst. Komischerweise bürgert sich der Begriff allerdings dennoch langsam im Sprachgebrauch ein: das Ding da hat nun endlich einen Namen: Kultur- und Kreativwirtschaft.
Vor vier, fünf Jahren geriet ich immer noch in Erklärungsnöte, wenn mich einer fragte, mit was ich mich da wissenschaftlich beschäftige: Kultur und Wirtschaft???? So was geht. Ich sag ja: Mittlerweile, bin ich heilfroh, dass das Ding einen Namen hat. Mein Fachgebiet als Wirtschaftswissenschaftler ist die Kultur- und Kreativwirtschaft. Von Beruf her bin ich somit Kulturökonom. Endlich hat man da eine Schublade für mich eingerichtet. Ganz persönlich finde ich den Begriff aber auch deswegen so spannend, weil er selbst dazu einlädt, kreativ zu werden und neue unternehmerische Potentiale zu entdecken. Warum nicht Games mit bildender Kunst verbinden oder Software mit Musik: Die Entwicklungspotentiale der Kultur- und Kreativwirtschaft liegen nicht in ihrer quantitativen Ausdehnung, sondern in ihrer qualitativen Entwicklung. INTEGRATION sollte hier der politische Leitbegriff der Zukunft werden.
Hier bei mir um die Ecke, gibt es ein Start-Up, das vormacht, wie man die Potentiale der Zukunft erkennt und ausnutzt. Es heißt: www.filmpostcard.de Die Seite ist noch in Entwicklung, aber auffallend ist jetzt schon folgender Satz : “Wir verbinden Medien!” Genau darum finde ich, geht es bei der Kultur- und Kreativwirtschaft: Um Verbindungen. Ist doch super, was man mit so ein Filmpostkarte alles machen könnte. Der ultimative Gag wäre doch, so was wie Youtube mit ner Postkarte zu verbinden. Die Postkarte kennt jeder Depp und Youtube ist gerade besonders hipp. Man kombiniere beides und schon entsteht das Potential für eine neues Produkt.
Der indische Kulturtheoretiker Homi Bhabha hat so etwas Hybridisierung genannt. Die globale Kultur ist gewissermaßen eine Kultur der Promenadenmischungen. Youtube ist ja eigentlich auch nichts anderes und verbindet den Bereich Internet-Datenbank / Software mit der klassischen Medienwirtschaft. Google funktionierte ebenso, die haben Such-Algorithmen auf das Datenmeer des Internet angewendet. Ganz in diesem Sinne wir leben in einer verrückten Welt: Dann schick mir doch mal ne Filmpostkarte!
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