Wieviel ist eine Idee wert? - Die Bewertungsökonomie der digitalen Welt
[IN BEARBEITUNG] Kreative Ökonomie - ist im Kern eine Ökonomie der Ideen oder wie man als Wirtschaftswissenschaftler sagen würde eine “Ideentauschwirtschaft”. Das klingt abstrakt oder verwirrend, aber das hängt wohl vor allem damit zusammen, dass der Begriff der “Kreativität” selbst eine große Interpretationsbreite zulässt. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es wohl keinen Umweg darum “Kreativität” als “Problemlösungskompetenz” zu definieren. Die Kreative Ökonomie ist demzufolge eine Wirtschaft, in der Problemlösungen gekauft und verkauft werden. Das widerspricht dem Verständnis mit der heute Kreativwirtschaft oft mit Design gleichgesetzt wird. Das ist bei weitem zu kurz gefasst. Andererseits ist der Begriff der Kreativität aber auch zu eng, wenn man ihn nur auf technische Leistungen einschränkt und aus wissenschaftlicher Sicht kann man heute davon ausgehen, dass auch der Kunst so etwas wie ‘Problemlösungskompetenz’ zugerechnet werden kann, dass sie einen Mehrwert hat, auch wenn dieser nicht konkret zu erfassen ist (wenn’s genauer interessiert, der sollte sich mit Adorno’s Ästhetischer Theorie befassen!).
Also fassen wir zusammen: Die Kreativwirtschaft ist eine Ideentauschwirtschaft. Jemand hat eine Idee, das kann z.B. eine ‘künstlerische Idee’ sein, wie stinkiges Fett auf einen alten Stuhl zu schmieren, das kann eine ‘technische Idee’ sein, wie der Bauplan für eine Maschine oder ein ‘logische Idee’, also ein Algorithmus, usw. Wie kann man sich nun den Handel vorstellen, mit diesen Ideen. Jede Ökonomie funktioniert im Kern wie der Marktplatz um die Ecke, die Bauern kommen und bringen ihre Äpfel, Birnen und Kartoffeln und die Kunden kaufen sich diese Waren und kochen dann zu Hause Kartoffelpfannkuchen mit Apfelbrei. Als Kunde geht man über den Markt und vergleicht die Preise, wägt ab gegen die Qualität der Ware und als Bauer hat man zuvor gerechnet, was hat mich die Produktion einer Kartoffel gekostet und wieviel möchte ich daran verdienen. Daraus entsteht am Ende so etwas wie ein Marktpreis.

Als Gesellschaft könnte man Ideen auf ähnliche Art organisieren. Man versammelt alle Ideengeber auf dem Marktplatz und lässt die laut schreien, was Ihnen da so durch die Köpfe geistert und als Ideenkäufer geht man Samstags nach dem Frühstück dann auf den Markt und schaut sich um, was so alles in die Tasche passt. Man vergleicht, hört dem einen oder anderen zu und lässt sein Geld, wo die Ideen am besten schmecken. Wie so gibt es so etwas nicht? Die Ökonomie ist hier bei weitem nicht so trocken, wie man zuweilen kommt, denn sie füttert ihre Modelle mit Boshaftigkeit und Misstrauen. Wer schreit schon so einfach gute Ideen auf dem Marktplatz heraus??? Vielleicht klaut die ja der Schreinachbar??? Woher weiß ich denn, dass er überhaupt eine gute Idee hat und mich nicht schreiend einfach kopieren will??? Es passiert genau dass passieren, was der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler George A. Akerlof als ‘Market for Lemons’ untersucht hat. Es bricht ein Chaos aus oder es passiert einfach gar nichts. Mal Samstag ne Idee shoppen gehen, ist nicht so einfach!
Tatsächlich ist es aber so, dass ich Samstags morgen in meiner Stadt zur Vernissage gehen kann, mir bei Saturn ‘logische Ideen’ kaufen kann oder rund um die Uhr bei Google Patente ausdrucken kann. Was hat sich die Gesellschaft da einfallen lassen. Die Lösung des Problems heißt Codifizierung. Wer ne Idee musst sie also irgendwie in einen Code packen. Wenn ich eine neue Maschine erfunden habe, kann ich dafür ein Patent ‘codifizieren’ lassen, wenn ich eine logische Idee habe, schreibe ich ein Computerprogramm und wenn ich eine künstlerische Idee, erhalte ich durch Ausführung der Idee einen Urheberrecht an der Idee. Gerade der letzte Punkt ist spannend: Man stelle sich jemand vor, der die Idee ‘Auf Leinwand pinkeln’ im Kopf hat, wenn er dies tut und sich nichts dabei denkt, ist er besoffen, wenn er später seinen Namen auf die Leinwand schreibt und diese dann zum Marktplatz bringt ist er ein Künstler. Und in 100 Jahren werden ihn die Kunsthistoriker loben für den außergewöhnlichen Mut, mit der die Obszönität seiner Zeit im Material verewigt hat. [IN BEARBEITUNG]
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