Kultur.Ökonomie x Kreativität

Anschreiben vom 20. Mai 2010: Verkaufsangebot an das Wirtschaftsministerium

An das
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Frau Claudia Schmidt
Referat L2 – Öffentlichkeitsarbeit
Scharnhorststr. 34 – 37

Domain “www.kultur-und-kreativwirtschaft.de”

Sehr geehrte Frau Schmidt,

mit Bezug auf mein Schreiben vom 5. Mai 2010 möchte ich Ihnen hiermit detaillierte Informationen zum Verkauf der Domain „kultur-und-kreativwirtschaft.de“ übersenden. Ent-schuldigen Sie bitte die Verzögerung, mit der ich erst jetzt auf Ihre Nachfrage antworte. Als Ökonom fühle ich mich an die Gründlichkeit und Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns gebunden und will Ihnen hier ein Angebot unterbreiten, das diesen Maßstäben gerecht wird. Der Handel mit Domainrechten gehört allerdings nicht zu meinem alltäglichen Geschäft, so dass für mich zunächst die Notwendigkeit bestand, einige Zeit in das Studium der bewer­tungs­öko­nomischen Grundlagen des Domainmarktes zu investieren. Für Ihre Geduld bin ich zu Dank verpflichtet.

Der bildende Künstler, die Mitarbeiter einer Werbeagentur oder der Filmregisseur gehören zur Kultur- und Kreativwirtschaft ebenso wie der Domainhandel. Ihnen als Fachreferentin berichte ich damit natürlich nichts Neues, aber für den Laien ist diese Buntheit zumeist noch erschla­gend und für den Experten doch zumindest immer wieder überraschend. Aus diesem Grunde ist es gerade umso erfreulicher, dass sich der politische Diskurs in Deutschland mit der „Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft“ auf eine einheitliche Darstellung der verschiedenen Teilbranchen unter einem gemeinsamen „Dach“ geeinigt hat. Die Akzeptanz und Gewöhnung der deutschen Bevölkerung an den Terminus kann somit die nächsten Jahre nur wachsen.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist das Bindeglied der Kultur- und Kreativwirtschaft die zugrunde liegende Ideenökonomie. Allen Akteuren der verschiedenen Teilgebiete ist gemein, dass sie entweder mit der Produktion, Distribution oder Vermarktung von Ideen sowie ihrer Eigentumsderivate wirtschaften und ihren Lebensunterhalt bestreiten. Wie zahlreiche Studien im deutschen als auch internationalen Kontext zeigen konnten, tragen sie somit zu einem erheblichen Anteil der Wertschöpfung einer Volkswirtschaft bei und vieles spricht dafür, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft der globale wirtschaftliche Werttreiber im 21. Jahrhundert sein wird.

Nach meinem persönlichen Empfinden sind solch sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Überlegungen wohl durch ihren Erklärungsgehalt bestechend, verschränken aber aufgrund ihrer Abstraktion den Blick für historische Zusammenhänge und Entwicklungslinien. Denn die Kultur- und Kreativwirtschaft ist keineswegs ein neues Phänomen des 21. Jahrhunderts, sondern hat ihre Wurzeln in den Aufklärungsbestrebungen des 18. Jahrhunderts. Darüber hinaus ist es gerade die deutsche Kulturlandschaft, die auf historisch einzigartige Weise einen Ideenkosmos hervorgebracht hat, dessen „ökonomischer Impact“ bis zum jetzigem Zeitpunkt bisher noch nicht ermittelt wurde, aber mit Sicherheit unermesslich ist. Die Tatsache, dass sich chinesische in gleichem Maß wie kolumbianische Tenöre an Wagner-Arien erproben spricht für die deutsche Kultur- und Kreativwirtschaft ebenso wie die Beobachtung, dass sich englische Philosphen bis heute über die korrekte Übersetzung der Texte eines Hegels oder Heideggers streiten. „Ideas made in Germany“ steht für nachhaltige Originalität.

In gleichem Maße war es aber gerade auch die deutsche Kulturpolitik, die durch ihre Ver­wirrungen im Dritten Reich lernen musste, dass der kreative Geist keineswegs einer Abso­luter ist. Die deutsche Kultur- und Kreativwirtschaft ist somit im Zeitverlauf durch Erha­ben­heit und symbolische Strahlkraft ebenso geprägt wie durch eine innere Demut und eine fast phobische Manier der Zurückhaltung. Diese paradoxe Gebundenheit der deutschen Kultur- und Krea­tivwirt­schaft an ihren historischen Ort lässt einen „Raum des Hybriden“ entstehen, wie sie der indisch-amerikanische Kulturtheoretiker Homi Bhabha erforscht hat und darin die größten Potentiale für die Schaffung neuer kreativer Ideen im globalen Weltkosmos des 21. Jahrhunderts sieht.

Der Name „Kultur-und-Kreativwirtschaft.de“ steht somit für eine symbolische Bedeutung, deren Rang bisher in anderer Form nicht erreicht wurde. Diese Tatsache beziehe ich in meine Be­wer­tungs­überlegungen ebenso ein, wie die sonstigen Gegenbenheiten des laufenden Domain­handels. Somit denke ich, dass ein Preis, der einerseits deutlich über Durchschnitts­preisen liegt, aber andererseits zu einer moderaten Bewertung der Domainrechte aufgrund der syn­taktischen Komplexität des Terms führt, der für beide Seiten angemessene ist. Auf genauere Wertermittlungen wie Auktionsverfahren möchte ich zum jetzigen Stand der Dinge verzichten und kann Ihnen für einen Preis von

€ 83.150,-

die Domain „www.kultur-und-kreativwirtschaft.de“ zum sofortigen Kauf anbieten. Zur detaillier­ten Darstellung der Bewertungsökonomie von Domainmärkten übersende ich Ihnen bei Bedarf gerne ausführlichere Unterlagen. Ich verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Andreas Kohlmann Dipl.-Kfm.


2 Responses to “Anschreiben vom 20. Mai 2010: Verkaufsangebot an das Wirtschaftsministerium”

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