Von Hackfleisch und Kreativität: Frankfurter Netzwerktreffen der Kultur-und Kreativwirtschaft
Das Bundeswirtschaftsministerium lädt ein in Frankfurt zum Netzwerkertreffen der Kultur- und Kreativwirtschaft in Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Ein warmer Tag heute. Ob das wohl einigen Teilnehmern zu Kopf gestiegen ist? Gleich ein Highlight: Während der Podiumsdiskussion ließ einer der Diskutierenden den Satz fallen: “Ein Metzger muss ja schließlich auch kreativ sein, man solle das Wort Kreativwirtschaft nicht überbewerten!” (man entschuldige mir, dass ich mir den Sprecher nicht genau notiert habe). Äh, leider 0 Punkte. Bei der Kreativwirtschaft geht es ja gerade nicht darum, dass die Wirtschaft nun “kreativ” wird, sondern die Kreativwirtschaft ist eine Wirtschaft, die als Input Kreativität oder ökonomisch kreatives Kapital hat und als Output Ideen liefert, mit denen gewirtschaftet wird. Es ist ökonomisch nicht richtig, dass man Hackfleisch auf die gleiche Art und Weise verkauft, wie ein Drehbuch oder seine darstellerischen Leistungen als Opernsänger.
Insgesamt war das in der ganzen Veranstaltung aber wohl eher ein Ausrutscher, die ansonsten solide das vermittelte, was hier mit der Initiative “Kultur-und Kreativwirtschaft” der Bundesregierung nun in unseren deutschen Landen so vonstatten geht. Immerhin ein ganzes Dutzend oder so von Regionalmanagern steht durch die Initiative finanziert den 238.000 Unternehmen in der Kultur- und Kreativwirtschaft zur Unterstützung ihrer unternehmerischen Bestrebungen zur Seite. Wenn alle so gut ihrer Aufgabe nachgehen wie Norman Schulz, der die Gebiete Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland betreut, dann kann man darauf hoffen, dass sich hier wirklich etwas bewegt. Die Podiumsdiskussionen verliefen ansonsten in den üblichen Bahnen: Wird für die Kreativwirtschaft genug oder nicht getan? Kreativität ist wichtig für unsere Zukunft und darf nicht vernachlässigt werden. Intelligent fand ich da die Aussage von Hans-Joachim Otto, Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie. Zentral sei es in Zukunft Kreativität und Unternehmertum miteinander zu verbinden, dazu müsse man vor allem die jungen Kreativen unterstützen, wozu es einen vermehrten Bedarf an entsprechendem Kapital gebe, wie es z.B. in den USA schon durch den Venture Capital Markt und die vielen Business Angels vorgelebt wird. Da spricht mal jemand etwas Innovatives an (ich habe die Gelegenheit gleich nochmal genutzt und ihm meinen Brief in die Hand gedrückt und ihn nochmals nett darauf hingewesen, dass das eigentlich ganz ernst gemeint war und nicht als Satire, vielleicht passiert ja was).
Das lässt hoffen, dass man in der Regierung die strukturellen Probleme in der Kultur- und Kreativwirtschaft erkannt hat. Es geht hier gar nicht so sehr darum, dass man hier irgendetwas “fördern” muss, sondern die Politik hat die richtigen Rahmenbedingunen für die Kreativen zu schaffen, damit sie mit ihren Ideen auch wirtschaften können (wie kann man z.B. den Ideenschutz bei Geschäftsanbahnung ausweiten, darüber hatte ich schon einmal geschrieben). Ohne Geld für Kreativität keine neuen Ideen, ohne neue Ideen keine Innovationen, ohne Innovationen kein Wirtschaftswachstum, das ist der einfache aber tiefere Sinn der Kultur- und Kreativwirtschaft. Zum Schluss hier noch ein schönes Projekt, das auf der Tagung vorgestellt wurde: www.bembel-with-care.de, das mein Herz als (Rhein-)hesse natürlich höher schlagen lässt. Besonders witzig finde ich, dass die Seite in drei Sprachen angeboten wird: Deutsch, Englisch UND Hessisch. Einfach mal anschauen und dann viel Spaß beim Äbbelwoi tringe!
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