Kultur.Ökonomie x Kreativität

Die Kulturwirtschaft: Kreatives Ghetto oder digitale Gemeinschaft?

Was ist eigentlich die Kultur- und Kreativwirtschaft? Warum sollte man von ihr sprechen? Auf der politischen Agenda in Berlin angelangt, soll den Deutschen nun klar werden, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft eine hohe wirtschaftliche Bedeutung hat: In der Kultur- und Kreativwirtschaft wird fast soviel verdient wie in der deutschen Automobilindustrie - bloß fehlt es an der entsprechenden Lobby, die das entsprechend zum Ausdruck bringen könnte. Im Grundsatz also eine gute Sache - die Kultur- und Kreativwirtschaft braucht ein bundespolitisches Sprachrohr.  Bloß WER ist die Kultur- und Kreativwirtschaft. Warum hatte man gerade solche Teilmärkte wie die Computerspieleindustrie oder die hohe Literatur in einen einheitlichen Branchenbegriff gezwängt? Ist die Kultur- und Kreativwirtschaft ein kreatives Ghetto???

Wenn man sich die Stadt Berlin anguckt: Würde ich dieser Meinung fast zustimmen. Das ist jeder kreativ, aber mehr aus dem Zwang heraus, weil er irgendwie ein wenig Geld verdienen muss. Kreativer finde ich da den Ausdruck der “neuen Nachbarn” wie in Christian Bos im Kölner Stadtanzeiger formuliert hat: “Digitales wächst zusammen” ist da zu lesen. Die Idee ist einfach: Durch den Computer als digitales Medium lässt sich die gesamte Kultur bzw. der gesamte Content als einheitlicher binäre Code verstehen. Der Musiker produziert genauso solche 01100001-Ketten wie der Filmer. Ja sogar das Schauspiel des Schauspielers wird mittlerweile sogar als digitales Modell lieferbar - man denke nur mal an den Gollum oder an eine Angelina Jolie im Film “Beowulf”. Ist so eine Erkenntnis neu? - Nö! Seit Matrix weiß doch die ganze Welt, dass wir eigentliche alle in so einem Energieschleim liegen mit ‘ner großen Leitung im Hinterkopf. Die Kultur- und Kreativwirtschaft erweckt die Fantasie der Wachovski-Brüder zum Leben und nun mit ganzer politischer Schlagkraft.

Klingt das unheimlich? Vielleicht ja. Es wird noch unheimlicher, wenn man sich die Landespolitik zur Kreativen Ökonomie in Nordrhein-Westfalen anschaut: Dort betreibt man “Clusterpolitik”, wie ich zuletzt auf der Tagung Creative.Heimat lernen durfte. Cluster zu deutsch: Anhäufung, Ballung, Klumpen, Nest, wie mir mein Internetwörterbuch sagt; die in NRW sind also schon einen Schritt weiter und sehen also, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft so etwas wie ein “Energieschleim-Klumpen” ist. Ganz in diesem Sinne ist ein Clustermanager auf deutsch dann einfach ein Klumpenmanager. Das hört sich dann auf deutsch nicht mehr wirklich schmeichelhaft, aber wenn man in den Bilder von Matrix bleibt, dann wäre da die Rolle des “Morpheus” als Klumpenmanager zu bezeichnen. Denn er sortiert das Netz an wilden Ideen und hilft die guten Ideen zu fördern und den Menschen dahinter mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen und irgendwo ist da auch dann ein “Neo”, der die Kraft die ganze Welt neu zu ordnen. Das finde ich sympathisch!

Auf den Punkt gebracht: CLustermanagement ist die Kulturförderung 2.0 - also raus aus dem kreativen Ghetto und rein in die digitale Gemeinschaft!


Leave a Reply