Kultur.Ökonomie x Kreativität

Richard Floridas 10-Punkte-Plan für die Kreative Ökonomie

Ich habe auf der Seite von Richard Florida eine interessanten 10-Punkte Plan für die Kreative Ökonomie entdeckt (The Creative Compact – Der Kreativvertrag). Er nennt darin zehn Punkte, die er für die Umsetzung einer kreativen Gesellschaft für zentral hält. Hier ist die Übersetzung:

Punkt1: Jeder Mensch ist kreativ
Punkt 2: Unternehmertum stärken
Punkt 3: Innovationen ausweiten
Punkt 4: Ein Sozialvertrag für Kreativität
Punkt 5: Ein neues „kreatives“ Bildungssystem
Punkt 6: Universitäten stärken
Punkt 7: Die kreative Seite jeder Gemeinde wecken
Punkt 8: Lokale Initiativen stärken
Punkt 9: Offenheit und Vielfalt in der Gesellschaft stärken
Punkt 10: Eine globale Agenda für die kreative Gesellschaft etablieren

Was hat Deutschlands Kreativwirtschaftspolitik mit dieser Agenda zu tun? In welchen Punkten stimmt sie mit dieser Agenda überein, wo weicht sie ab? Das ist schwierig zu sagen. Wenn man sich die Ideen von Florida genauer anschaut, dann erkennt man letztendlich, dass es so etwas wie ein “deutsches Modell” der Kreativität und so etwas wie ein “amerikanisches Modell” der Kreativität gibt. Während uns im alten Europa bei Kreativität im auch Kunst und Kultur durch den Kopf schwebt, wir sprechen in Deutschland ja auch nicht ohne Grund von Kultur- UND Kreativwirtschaft, so hat Kreativität bei unseren Nachbarn überm Teich immer etwas mit Problemorientierung zu tun. Wer hat nun Recht?

Ich denke es wäre in unserem Jahrhundert falsch hier wieder alte kulturpolitische Grabenkämpfe zu eröffnen. Wenn man sich die Agenda von Florida anschaut, stellt auch er die Freiheit und subjektive Entfaltung in den Vordergrund. Er schreibt: “A new social compact would be based around a simple organizing principle: it recognizes the ability for individuals to develop and utilize their talents and to self-express as fundamental human rights. A Creative Age social compact would ensure that people can define their human identiy and utilize their full skill sets and capabilities.” (S. 6).

[Übersetzung: Ein neuer Gesellschaftsvertrag würde auf einem einfachen Organisationsprinzip beruhen: Es anerkennt die Fähigkeit der Individueen ihre Talente zu entwickeln und nutzbar zu machen und ihrer fundamentalen Menschenrechte Ausdruck zu verleihen. Ein Sozialvertrag für das Kreative Zeitalter würde versichern, dass die Bürger ihre Identität als Mensch definieren können und ihre gesamten Fähigkeiten und Vermögen zur Entfaltung bringen und damit gesellschaftlichen Nutzen stiften."]

Vielleicht ist es ja Zeit, dass wir neue Modelle finden, die solche Sichtweise vereinen. Der globale Entwicklungsbericht der UNESCO zur Kreativen Ökonomie zeigt da in die richtige Richtung. Wachstum im 21. Jahrhundert bedeutet nicht mehr Vermehrung des materiellen Reichtums, sondern ENTFALTUNG und Bildung - ganz im Sinne des Wirtschaftnobelpreisträgers Amayarta Sen. Sounds good: So, let’s take this challenge.


One Response to “Richard Floridas 10-Punkte-Plan für die Kreative Ökonomie”

  1. Vanessa-Isabelle Reinwand Says:

    “A new social compact would be based around a simple organizing principle: it recognizes the ability for individuals to develop and utilize their talents and to self-express as fundamental human rights.” … so “simple” und vor allem überzeugend dieser Grundsatz auch für Florida ist, so schwierig ist es wohl einen solchen “Sozialvertrag” umzusetzen. Denn es ginge eben nicht darum, erst den wirtschaftlichen Nutzen von Kreativität nachzuweisen, sondern Kreativität als menschliches Grundbedürfnis und zum Zwecke der Ermöglichung eines “guten” Lebens für alle Menschen anzuerkennen und allein aus diesem Grund zu fördern. (Kulturelle) Bildung ist natürlich - und hierzu braucht man nur Wilhelm von Humboldt zu lesen - eine der wesentlichen Voraussetzungen zur Beförderung eines menschen-adäquaten Lebens und in diesem Zusammenhang notwendiger Bestandteil zur Entwicklung einer “humanitären Ökonomie”.

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