Ökonomie und Kultur
Das Thema Ökonomie und Kultur ist zur Zeit sowohl in der Wissenschaft als auch in der Öffentlichkeit eine Randerscheinung. Bei Google findet man zum Thema “Kulturökonomie” immer ca. 40.000 Einträge (hier zu verfolgen: Suchergebnisse). Auch im englischsprachigen Raum ist das Thema nicht mehr verbreitet (ca. 80.000 Einträge zum Stichwort “cultural economics”). Die Schwierigkeit liegt vor allem darin, dass die Annhäherung beider Bereiche im Moment wohl selbst noch von kulturellen Vorbehalten geprägt ist. Wer rechnen kann hat nichts mit Kultur am Hut und wer sich kulturell betätigt, der will nicht rechnen können. Ich denke nicht, dass es heute noch Sinn macht, diese künstliche Unterscheidung von musischen und logischen Talenten aufrecht zu halten.
Die Konvergenz der Medien bedingt eben, dass sich auch die Künste der Technologie annähern. Wer sich da näher informieren möchte, der sollte sich mal beim MIT umschauen. Der Verlag MIT Press hat hier einiges zu bieten (z.B. New Media).
Das Durchdringungsverhältnis von Kunst und Ökonomie sollte aber keineswegs einseitig als “Verwirtschaftlichung” der Kunst und Kultur angesehen werden (ich bitte das möglichst wertneutral zu verstehen). In einer digital konvergierten Gesellschaft wird doch vielmehr Hybridisierung zur neuen Leitlinie. Dass dieser Ansatz, der vor allem von dem indisch-amerikanischen Kulturtheoretiker Homi Bhabha entwickelt wurde, aus den sogenannten Postcolonial Studies stammt, weist darauf hin, dass es heute nicht mehr darum geht, gegenseitige Leitverhältniss zu definieren.
Mein größtes Interesse ist somit vielmehr, wie man gerade die Ökonomie als Kunstform verstehen kann. Das Wirtschaft nicht mit rationalen (im Sinne von objektiven) Realitäten zu tun hat, sondern gerade viel mit Schein und Sein zu tun hat, zeigt die momentane Wirtschaftskrise. Sind nicht gerade die Investfondmanager die Kreativen der letzten 10 Jahre? Vielleicht. Eines ist aber klar, die Zeit neue Frage zu stellen ist da. Ich lade jeden ein hier mitzudiskutieren.